NABU Lampertheim
> Agenda21


Lokale Agenda 21 in Lampertheim

> Wer sind wir, was machen wir?

Agenda 21-Logo Lampertheim

 
Aktuelles
aus dem Lampertheimer Agenda21-Arbeitskreis
Naturschutz, Landwirtschaft, Ressourcen

- Projekte, Aktionen, Berichte -

Biogasanlage: Bebauungsplan wird aufgestellt

Viele Fragen, viel Kritik

Lampertheim. So richtig warm wurde im Stadtparlament niemand mit dem Vorhaben von Landwirt Werner Hartmann, auf seinem Betriebsgelände an der Wormser Landstraße eine Biogasanlage zu errichten. Am Ende stimmte in der jüngsten Sitzung des Gremiums aber jede Fraktion zumindest der Aufstellung eines Bebauungsplanes zu.

Am entschiedensten trat dafür noch Hartmanns Fraktionskollege Franz Korb ein, der die Abgeordneten dazu aufforderte, zumindest einen Planungsprozess in Gang zu setzen, um in dessen Verlauf die verbliebenen offenen Fragen zu klären. Hiervon scheint es etliche zu geben, wie auch Grünen-Fraktionschef Helmut Rinkel einräumte. Er brachte etwa die zu erwartende höhere Bodenerosion, die Nitratbelastung sowie die zunehmende Industrialisierung der Landwirtschaft ins Spiel, die dem Betrieb einer Biogasanlage entgegenstünden. Grund dafür sei der vermehrte und einseitige Anbau von Mais zur Verwertung als Biomasse. Auch sei mit einem hohen Transportaufkommen im Bereich des Standorts zu rechnen. Ferner drohten Landwirte gegen die geplante Anlage "auf die Barrikaden" zu gehen. Sie setzten sich gegen die Düngung ihrer Äcker mit Gärresten zur Wehr.

Wie Helmut Rinkel forderte auch FDP-Fraktionsmitglied Helmut Hummel die Einberufung einer Bürgerversammlung, um die bestehenden Probleme im Zusammenhang mit der geplanten Biogasanlage aus dem Weg zu räumen. Und auch SPD-Fraktionschef Hans Hahn gab zu, dass das Projekt unter seinen Parteifreunden keine einhellige Zustimmung hervorgerufen habe. Dennoch wolle die Fraktion durch ihre Zustimmung einen Beitrag zur Energiewende leisten. Der Aufstellungsbeschluss für einen Bebauungsplan ging im Parlament mit einer Enthaltung durch. urs

Südhessen Morgen
20. Februar 2012

Energie: Bürger fühlen sich übergangen / Initiator Hartmann und Agenda-Gruppe im Streit / Verwaltung: "Wir sind erst am Anfang"

Biogasanlage sorgt schon jetzt für dicke Luft

Lampertheim. Das Biogas bleibt Diskussionsstoff - und das nicht nur im Stadtentwicklungs- und Bauausschuss (wir berichteten). Auch unter Anwohnern in der Nähe des Agrarbetriebs von Werner Hartmann, der die Anlage gemeinsam mit dem Investor Envitec errichten will, ist die Aufregung nun groß. Der Hühnermist werde aus Norddeutschland oder Holland nach Lampertheim gefahren, das sei doch nicht ökologisch, schimpft Iris Henkelmann. "Aber: Uns fragt ja keiner."

Das ist auch Peter Franz' größtes Problem: "Ich persönlich bin noch nie darauf angesprochen worden, weder von Herrn Hartmann noch von der Stadt." Wenn der Weg zur Belieferung der Biogasanlage so gebaut werde, wie es gerade geplant sei, "dann fahren die fast durch meinen Vorgarten", sagt er. Er habe nicht grundsätzlich etwas gegen den Bau einer solchen Anlage, aber wenn er genau wüsste, dass es extrem laut werde oder bestialisch stinke, dann sicherlich. Es fehlt ihm, klagt er, an detaillierten Informationen.

Auch die Agenda-21-Gruppe "Naturschutz, Landwirtschaft und Ressourcen" bedauert, dass noch viel zu viele Frage offen seien. "Wir hätten uns eine Bürgerinformationsveranstaltung vonseiten der Stadt gewünscht", sagt Sprecherin Andrea Hartkorn.

Doch Hans-Joachim Schahn, Leiter des Fachdienstes Stadtplanung bei der Stadtverwaltung, will die erhitzten Gemüter beruhigen: "Wir sind noch ganz am Anfang", sagt er. Bislang sei im Ausschuss lediglich über eine vorbereitende Beschlussfassung für den Bebauungsplan abgestimmt worden. "Wir haben hier sozusagen eine weiße Fläche - die in den kommenden Monaten mit Inhalten gefüllt werden muss." Und da komme noch viel Arbeit auf die Verantwortlichen zu: Es ist zwingend vorgeschrieben, sämtliche Behörden an den Planungen zu beteiligen. Außerdem ein Muss: "ein Informationsabend für alle Bürger". Sämtliche Einwände würden angehört und ernst genommen, versichert Schahn. Viele dächten: "Das Ding wird so gebaut. Punkt." Das sei nicht richtig. Bislang hätten die Kommunalpolitiker lediglich ihren Willen bekundet, eine Anlage an diesem Standort zu bauen. Selbst wenn jetzt alles "glücklich verlaufe", gehe eine Anlage wohl erst 2014 in Betrieb.

"Werden dafür stimmen"

Dass sie wirklich in Betrieb gehen wird, daran glaubt Werner Hartmann fest. Im Ausschuss am Dienstag haben sich Helmut Rinkel und Carmen Kunz von den Grünen enthalten. Vorher hatten sie um vier Wochen Aufschub gebeten, weil Rinkel noch viel Aufklärungsbedarf bei den Bürgern sieht. Er stellt jedoch klar, dass seine Partei "sich ausdrücklich für die Biogasanlage aussprechen und in der Stadtverordnetenversammlung auch dafür stimmen wird".

Rinkel beschäftigt jedoch Folgendes: "Ich persönlich habe nur ein Problem damit, wenn der zukünftige Betreiber die Agenda-21-Gruppe wegen angeblicher Verbreitung von Unwahrheiten an den Pranger stellen will", sagt er. Hartmann habe die Lokalpolitiker in einer E-Mail dazu aufgefordert, über die Gruppe zu beraten, da es "für Lampertheim untragbar sei, einer Agenda-21-Gruppe für die Verbreitung von Unwahrheiten eine Plattform zu bieten". Das mache ihn, sagt der Grünen-Fraktionsvorsitzende, doch sehr betroffen. Und es könne eben auch dazu führen, dass "man sich in einer Ausschusssitzung unter Druck gesetzt fühlt".

"Unsachlich und befremdlich"

Werner Hartmann ist wütend auf Andrea Hartkorn. Sie sei Sprecherin der Agenda-Gruppe und nicht "Propagandaministerin von NABU und anderen Naturschutzvereinigungen", sagt er. Die Gruppe werfe ihm vor, dass durch eine Anlage in Zukunft überwiegend Mais angebaut werde. Außerdem hätten die Mitglieder ihm Daten über die Nitratbelastung des Bodens vorgelegt, die "schlicht falsch" seien. "Wir setzen nicht vordergründig auf Mais, sondern auf Ganzpflanzensilage", sagt Hartmann. Diese Pflanzen würden im Herbst gesät und im Mai geerntet, Gemüse könne trotzdem angebaut werden. "Es wird einen Anteil an Mais geben, aber keine Monokultur."

Hartkorn nennt Hartmanns Ton "unsachlich und befremdlich". Die Nitratwerte habe die Gruppe aus einem Bericht des Vereins VSR-Gewässerschutz. Die Agenda-Gruppe, die einen Fragenkatalog erarbeitet hat, beschäftigt sich intensiv mit dem Thema - und berät selbst noch, wo genau sie sich positioniert. Man wolle ja Gespräche, sagt Hartkorn - "aber nicht im Hinterzimmer".

Südhessen Morgen/Redaktionsmitglied Anne-Kathrin Jeschke
10. Februar 2012

Fluch oder Segen?

15.12.2011 - LAMPERTHEIM

Von André Heuwinkel/Lampertheimer Zeitung

AGENDA 21 Mitglieder, Landwirte und Kommunalpolitiker diskutieren über Vor- und Nachteile einer Biogasanlage

Nicht überall, wo „Bio“ draufsteht, ist auch „Bio“ drin. Zu diesem Ergebnis kam zumindest die Lokale Agenda 21 - Naturschutz, Landwirtschaft, Ressourcen - in der dienstagabendlichen Diskussionsrunde im Sitzungssaal des Alten Rathauses. Zentrales Thema waren mögliche Auswirkungen auf Natur, Landwirtschaft und Umwelt im Fall einer Biogasanlage für Lampertheim, die bereits seit Monaten in Planung ist (wir berichteten). Ebenso war die Agenda bestrebt, Alternativen zur Nutzung von Mais für den Betrieb von Biogasanlagen aufzuzeigen. Entsprechend gut besucht war der Sitzungssal. Es erschienen nicht nur Mitglieder der Agenda-Gruppe, sondern auch Landwirte und Kommunalpolitiker, allen voran Werner Hartmann, dessen Betrieb Agrarprodukte Hartmann GmbH & Co. KG in Zusammenarbeit mit dem niedersächsischen Unternehmen EnviTec Biogas AG das Vorhaben realisieren möchte.

Der Diskussion gingen zuerst ein Vortrag der Agenda-Sprecherin Andrea Hartkorn sowie zwei Videoclips Hardy Ruckdeschels voran. Die Beiträge sollten die vermeintlich negativen Auswirkungen von Biogasanlagen - speziell vor dem Hintergrund von Mais-Monokulturen - kritisch beleuchten. Andrea Hartkorn machte deutlich, dass vermehrter Maisanbau zu hohem Einsatz von Dünger und Pestiziden und zu einer Abnahme der Biodiversität führe. Es gebe Landkreise, in denen auf 60 Prozent der Ackerflächen nur noch Mais angebaut werde, Lebensräume für Tier- und Pflanzenarten würden so vernichtet und verbindende Biotopstrukturen abnehmen. Ebenso stellte Hartkorn die Grundsatzfrage auf, ob Biogas aus Mais überhaupt geeignet sei, Treibhausgasemissionen zu reduzieren, da durch den Betrieb von Biogasanlagen ein beträchtliches Potenzial an Distickstoffmonoxid (Lachgas) freigesetzt würde, das ähnlich wie Methan wesentlich schädlicher ist als CO2.

Die Zweifel wurden in zwei Videobeiträgen, die Zusammenschnitte aus der 3-sat-Sendung „nano“, der SWR-Sendung „Report Mainz“ sowie einem mdr-Beitrag zeigten, untermauert. Die Ernte berge Gefahren für Bodenbrüter. Die Verwendung von Wildblumen bilde hingegen eine sinnvolle Alternative. Der zweite Beitrag arbeitete hingegen einen zweiten Brandherd heraus: Botulismus - eine Lebensmittelvergiftung, die Lähmungserscheinungen hervorruft und tödlich verlaufen kann. Das Botulinumtoxin entsteht als Stoffwechselprodukt des Bakteriums Clostridium botulinum und kann Mensch wie Tier gleichermaßen befallen. Die Wissenschaftler Professor Dr. Helge Böhne und Professor Dr. Dirk Dressler (Medizinische Hochschule Hannover) wiesen auf der neunten Agrar- und Veterinär-Akademie (AVA)-Haupttagung im März 2010 auf die Problematik hin und äußerten den Verdacht, dass der Betrieb von Biogasanlagen dafür mitverantwortlich sein könnte. Auch „Zeit-Online“ sprach in einem Artikel vom August dieses Jahres von einer „ignorierten Seuche“. Die Annahme: Beim Schnitt von Biomassepflanzen werden Tiere mitgehäckselt und gelangen ins Gärsubstrat. Der Gärschlamm kann als Dünger wiederverwendet werden und in die Natur zurückgelangen.

Werner Hartmann machte allerdings deutlich, dass eine derartige Verwendung des Gärschlamms nicht vorgesehen sei. In der Zusammensetzung der Substrate - eine eigene Rezeptur - soll die Verwendung von Hühnerkot ausgeschlossen werden. Hintergrund seien Änderungen im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), das neue Förderrichtlinien für die Verwendung bestimmter Substrate vorsehe. „Es wird dabei ein richtiger Katalog aufgestellt, und es ist abzusehen, dass die Verwendung von Hühnerkot aus ökonomischer Sicht völlig sinnlos ist“, versicherte der Landwirt, der auch für die CDU im Stadtparlament sitzt. „Das sind ja ganz neue Erkenntnisse“, zeigten sich Agenda-Sprecher Volker Harres und FDP-Mann Helmut Hummel verblüfft. Werner Hartmann skizzierte einen Substratmix aus „Winterbegrünung, Zuckerrüben, Hirse“ und weiteren Zutaten. Wie hoch der Maisanteil sein werde, sei noch nicht absehbar, allerdings: „Eine ‚Vermaisung‘ Lampertheims droht definitiv nicht“. SPD-Abgeordneter Fritz Götz gestand: „Durch die Ausführungen bin ich weiter verunsichert.“ Dieser Einschätzung schloss sich auch Dieter Melchior an: „Wir befinden uns in einem Spannungsfeld. Klar ist aber auch, dass die Energiewende vorangetrieben werden muss. Keine Energiegewinnungsform kommt schließlich ohne negative Externalitäten aus.“

Hartmann betonte, dass rund 460 Hektar an Anbaufläche mit anderen Landwirten mündlich vereinbart worden seien. Abschließend zeigte sich Volker Harres ob der „Risikobereitschaft“ verwundert, da viele Faktoren noch „im Ungefähren“ seien.

Agenda 21: Gemeinsame Aktion mit Gymnasiasten im Lampertheimer Stadtwald

Nischen für Pflanzen schaffen

Lampertheim. Wenn im Frühling die heimische Flora sprießt, ist naturgemäß auch die beste Zeit für Pflanzaktionen aller Art. Ein solches Projekt wurde im Stadtwald in der Nähe des Waldlehrpfades auf den Weg gebracht. Initiator war die Lampertheimer Agenda 21.

Vormittags trafen die Agenda-Mitglieder Andrea Hartkorn und Alfred Laut auf 21 Schüler des Lampertheimer Lessing-Gymnasiums. In Begleitung von Lehrerin Gabriele Waldkircher und zwei Referenten, galt es für sie, die Ärmel hochzukrempeln. Bearbeitet werden musste ein Areal von 300 Quadratmetern Größe. Pächter Helmut Holz hatte sich bereit erklärt, das Areal für eine besondere Maßnahme zur Verfügung zu stellen.

"Wir möchten die heimischen Pflanzenarten fördern", so Hartkorn. Der Grund: "Die aufgeräumten Folienlandschaften nehmen immer mehr Raum ein, natürliche Nischen für Pflanzen und somit auch Tierarten gibt es immer weniger." Nun sollen weitere Flächen Raum bieten, in dem diese Nischen ungestört entstehen können.

Angeleitet von Laut, der auch Leiter der Hegegemeinschaft Südhessen ist, gingen die Schüler gleich ans Werk. Zuerst galt es die Fläche zu ebnen und von unerwünschtem Unkraut zu reinigen. Dabei hatten die jungen Naturschützer ein pflugähnliches Teil hinter sich her zu ziehen, Bahn für Bahn, bis das Grundstück vorbereitet war. Danach wurde eingesät. Den Namen "Odin"* trug die Wildblumensaatmischung, die in den Boden gebracht werden musste, "eine winterharte Mischung, die Blüten vom Frühjahr bis zum Herbst hervorbringt", wie Laut betonte.

In die Hände gespuckt

Für Lehrer und Schüler bedeutete die Teilnahme eine besondere Praxisnähe. Die Lerninhalte, mit denen sich die Siebtklässler in den vergangenen Wochen beschäftigten: Blütenpflanzen. "Eine schöne Brücke zwischen Unterricht und Praxis", befand Waldkircher dann auch. Zwei bis drei Stunden lang musste in die Hände gespuckt werden, dann war es geschafft. Im Anschluss spendierte die Stadt den Helfern zur Stärkung belegte Brötchen und kühle Getränke.

In der Agenda 21 soll dies nur der Auftakt für weitere Pflanzaktionen werden. Im Erfolgsfall wird der Forst weitere Flächen zur Verfügung stellen und selbst einige Privatpersonen haben schon ihre Bereitschaft angedeutet, ihre Grundstücke in den Dienst der Renaturierung zu stellen. "Natürlich möchten wir die Landwirte mit ins Boot nehmen", betonte Andrea Hartkorn. Randstreifen und anderes nicht kommerziell nutzbares Land stehen hier im Fokus des Interesses.

Genug Regen?

Nach erfolgter Einsaat hängt das Gelingen nun von mehreren Faktoren ab. Wird es genug regnen, um die Pflanzen durchkommen zu lassen und wird die heimische Fauna das frische Grün nicht gleich wegfuttern?, lauten die großen Fragezeichen. Nicht infrage gestellt ist das Engagement der Gymnasiasten. Sie wollen in Zukunft wieder mit von der Partie sein, wenn es gilt, den kultivierten Flächen wieder ein Stück Natur abzuringen. jkl

Südhessen Morgen
5. Mai 2011

Erklärung zur Wildblumenmischung:
*Die Wildblumenmischung ODIN ist eine ausdauernde Mischung mit sehr hohem Kräuteranteil. Sie blüht von Anfang Mai bis in den späten Herbst hinein. Sie bietet Refugium für viele Vogel- und Insektenarten. Sehr lange Standzeit bei minimalem Pflegeaufwand zeichnet diese vielseitige Mischung aus. Die enthaltenen einjährigen Arten verhindern eine Verunkrautung im ersten Standjahr, die ausdauernden Arten setzen sich dann im Folgejahr endgültig durch. Die Saatmischung ist vom Hess. Ministerium f. Umwelt, Energie, Landwirtschaft u. Verbraucherschutz anerkannt und für das Blühflächenprogramm zugelassen.

Erfolg für Agenda-21-Arbeitskreis Naturschutz, Landwirtschaft, Ressourcen:
Der Arbeitskreis konnte Stadtverwaltung und Politik überzeugen

Leinenzwang in der Brut- und Setzzeit:
Ab 1. März in Lampertheim gültig

(red). Die Stadtverordnetenversammlung hat bereits im vergangenen Jahr in Form einer Satzung den Leinenzwang für Hunde in der Brut- und Setzzeit beschlossen. Dies bedeutet für Hundehalter, dass sie ihre Tiere in der Zeit vom 1. März bis 30. Juni im Außenbereich (außerhalb der geschlossenen Ortsbebauung) anleinen müssen. Dies gilt auch für das Rheinufervorland.

„Ursächlich für diese Regelung waren Hetz- und Beißvorfälle durch freilaufende Hunde, bei denen Wildtiere, insbesondere auch Jungtiere, verletzt wurden oder sogar zu Tode kamen“, heißt es in einer Mitteilung der Stadt. Auch in jüngster Zeit seien von Jägern wieder solche Fälle gemeldet worden. Aber auch die Landwirtschaft führten zunehmend Klage über Beschädigungen, die durch freilaufende Hunde an den frisch angelegten Ackerflächen entstehen. „Ganz zu schweigen davon, dass Hundekot und Urin nichts auf einem mit Lebensmitteln wie Schnittlauch, Petersilie, Spargel und Salat bepflanzten Acker zu suchen haben“, so die Stadt weiter.

Alle Lampertheimer Hundehalter seien im Rahmen der Zusendung der Hundesteuerbescheide in einem dem Bescheid beigefügten Merkblatt nochmals auf die in Lampertheim geltenden Regeln aufmerksam gemacht worden. Seitens der Ordnungsbehörde werde in der Brut- und Setzzeit eine verstärkte Kontrolle des Außenbereichs stattfinden. Hundehalter, die trotz der vielen Hinweise gegen die Satzung verstoßen, müssten mit einer Anzeige und dem damit verbundenen Bußgeld in Höhe von 35 Euro rechnen.

Lampertheimer Zeitung v. 11.02.2011

Lessing-Gymnasium: Schüler der MINT-Bio-AG nehmen an Pflanzaktion teil

Mit Eifer bei der Sache

Lampertheim. Bei Schneegestöber und kalten Temperaturen, aber mit Spaß und Eifer bei der Sache, nahmen 22 Schüler der MINT-Bio-AG des Lessing Gymnasiums bei einer Agenda-21-Pflanzaktion teil. Begleitet wurden sie von ihrer Lehrerin Gabriele Waldkircher und Referendar Florian König.

Im Bürgerfeld, einer Feldregion zwischen Lampertheim und Rosengarten, hatten Stadtgärtner Löcher entlang der alten Wormser Bahnlinie in die Erde gebohrt, um ihnen das Einpflanzen zu erleichtern. Insgesamt wurden 40 Sträucher von den Technischen Betriebsdiensten zur Verfügung gestellt. Initiiert durch den Agenda-21-Arbeitskreis Naturschutz, Landwirtschaft und Ressourcen, sollte die Aktion neue Rückzugs- und Brutgebiete für Vögel, Kleinsäuger und Insekten schaffen. "Die Versiegelung der Böden und die rigorose Nutzung der Agrarflächen drängt die Tiere immer weiter zurück und vernichtet wichtige ökologische Nischen für die Tierwelt", erklärte Agenda-21-Sprecher Alfred Laut. Heimische Straucharten wie Roter Hartriegel, Feldahorn und Pfaffenhütchen wurden für ein besseres Wachstum zunächst noch um etwa ein Drittel von den Stadtgärtnern eingekürzt.

Auch abgebrochene Wurzelstücke galt es zu entfernen. Bevor die Pflanzen mit den Spaten eingegraben wurden, gossen die Schüler noch ein Kanne Wasser mit ins Pflanzloch. "Die Sträucher bieten nicht nur Schutz für allerlei Tierarten, vom Käfer bis zum Feldhasen, sondern auch gegen die Erosion des Bodens", erklärte Laut. Für Lehrerin Gabriele Waldkircher war außerdem die frühzeitige Bewusstseinsschaffung für die Belange des Naturschutzes wichtig. Schon einige Male hatte sie mit ihrer eigenen Klasse oder einer MINT-Arbeitsgruppe mitgewirkt: "Das wird nicht das letzte Mal sein. Wir freuen uns schon auf die nächste Pflanzaktion!" aha

Südhessen Morgen
01. Dezember 2010

Natur: Agendagruppe Naturschutz, Landwirtschaft und Ressourcen besichtigt gemeinsam mit städtischem Mitarbeiter die Feldgemarkung

Biotopvernetzung in den Startlöchern

Lampertheim. Erdbeeren, Kartoffeln und Spargel - was Verbraucher frisch und knackig auf ihren Tellern lieben, verdrängt andere aus ihrem angestammten Lebensraum. Die intensive Landwirtschaft, gepaart mit der Siedlungsentwicklung, vertreibt Gräser, Kräuter, Eidechsen, Hasen, Rebhühner und Vögel von den Feldern. Dem möchte nicht nur die Agendagruppe Naturschutz, Landwirtschaft und Ressourcen entgegenwirken - auch die Stadt Lampertheim setzt auf Biotopvernetzung. Mit dem Kauf von brachliegenden Flächen und unbewirtschafteten Gärten will sie einer Monokultur entgegenwirken.

Um sich einen Überblick über mögliche Grundstücke für die Vernetzung zu verschaffen, traf sich die Gruppe mit Alexander Ochmann vom städtischen Fachdienst Umwelt und Stadtentwässerung zu einer Auftakt-Radtour durch die Heide. Vorbei an der Grube Feuerstein und der Knödlergrube ging es Richtung Neuschloß.

Mond- statt Kulturlandschaft

Laut einigen Agendamitgliedern erinnerten die riesigen Ackerflächen mit den umgepflügten Randstreifen dort eher an eine Mond- als eine Kulturlandschaft. Grünen-Mandatsträger Dieter Melchior, ebenfalls Mitglied der Agenda, erklärte: "Viele Anwohner vermissen die Spaziermöglichkeiten, die ausgeräumten Landschaften ohne Sträucher, Hecken und Singvögel animieren nicht gerade zur Erholung." Ochmann möchte nun die Besitzer der unbenutzten Gartengrundstücke im Liegenschaftsbuch nachschlagen und ihnen eine Kaufoption vorschlagen: "Nicht jeder will an die Stadt verkaufen, allerdings höhlt steter Tropfen den Stein", zeigt er sich vorsichtig optimistisch. Auch verliert er bei aller ökologischer Sichtweise nicht die Landwirte aus den Augen. Schließlich dienten Biotope nicht nur den Pflanzen und Tieren, ein weiter gefasster Umweltschutz, etwa mit Riegeln aus Feldgehölz und Wiesen, helfe indirekt auch den Bauern, da er Erosionen entgegenwirke.

Auf der Radtour prangerte die Gruppe auch die Müllablagerungen am Wegrand sowie in den Gärten an - hier sollte die Stadt stärker kontrollieren. Diese Meinung teilen auch die Bauern. Doch Uwe Becher vom Bereich Sicherheit und Ordnung wirkt großen Hoffnungen entgegen: "Eine permanente Überwachung ist personell nicht zu leisten, und be-strafen kann man nur, wenn man jemanden auf frischer Tat ertappt."

Ein weiterer Dorn im Auge der Agenda ist die Rodung eines ehemaligen Brachgeländes durch Bauer Willi Billau. Damit habe er wieder ein Biotop zerstört, noch dazu nach dem 1. März, wonach es das Bundesnaturschutzgesetz verbiete, Bäume und Hecken zu fällen. Der Landwirt verteidigt sich damit, dass das Gelände "vermüllt" gewesen sei und er nun den Abfall entsorgen müsse. Allein zwölf Tonnen Bauschutt habe er schon entsorgt. "Ganz zu schweigen von dem Sondermüll, da hier eine alte Werkstatt war", erläutert Billau. Auch habe er sorgfältig überprüft, ob nicht etwa ein Vogel dort niste.

Dialog statt Anzeige

Außerdem habe er mit dem Erwerb des Grundstückes die Auflage erhalten, die illegalen Bauten darauf zu entfernen sowie das Gelände seiner einstigen Bestimmung, also der Landwirtschaft, zuzuführen. Allgemein sei er auf Flächen angewiesen, um den Familienbetrieb weiterführen zu können: "Vor allem da in Zukunft durch Straßen- und Siedlungsbau immer mehr verloren gehen."

Auch das Argument, die Natur sei ausgeräumt, lässt er so nicht gelten. "Es gibt ja Biotopvernetzungsstreifen; während meiner Arbeit sehe ich immer wieder Hasen, Rebhühner und Fasane. Und irgendwo müssen wir unsere Produkte auch anbauen, immerhin sind wir noch weit von Flächengrößen und Monokulturen wie in den neuen Bundesländern oder in Osteuropa entfernt."

Die Agenda will nun das Gespräch mit Billau suchen. "Bislang will keiner Anzeige erstatten", beteuert Melchior. Vielmehr verfasst Andrea Hartkorn, Sprecherin der Gruppe, eine Einladung zur nächsten Agendasitzung, um Missverständnisse, wie die angeblich bereits geplante Anzeige, aus dem Weg zu räumen. "Wir wollen die Natur schützen, gemeinsam mit der Stadt und den Landwirten", sagt Melchior. Und auch Billau hat nicht vor, gegen die Naturschützer zu arbeiten. Er möchte im Dialog um Verständnis für die Belange der Bauern werben.

Südhessen Morgen
Ute Hahnenberger

07. Mai 2010

Biotop oder Müllhalde?

Agendagruppe kritisiert Landwirt, der Gartengrundstück zu Ackerfläche macht

Die Lampertheimer Agendagruppe Naturschutz, Landwirtschaft und Ressourcen hatte sich in der vergangenen Woche zu einer Radtour durch die Lampertheimer Heide getroffen, zu der ersten von mehreren geplanten Touren. Ziel war, Brachflächen, unbewirtschaftete oder verlassene Gärten zu erfassen und der Stadt diese Grundstücke als geeignete Flächen für den Biotopverbund zu melden. Ein frisch gerodetes Grundstück stieß der Gruppe allerdings bitter auf.

Die Gruppe, die von ihren beiden Sprechern Andrea Hartkorn und Alfred Laut geleitet wurde, war mit Alexander Ochmann vom städtischen Fachdienst „Umwelt und Stadtentwässerung“ unterwegs, der die Anregungen aufnahm. Die „Biotopverbund-Tour“ führte über die Heide zur Grube Feuerstein und weiter bis zu den riesigen Aufschüttungen der Knödlergrube, vorbei an einigen schmalen Feldholzinseln und verwilderten Gärten, die offensichtlich schon länger nicht mehr genutzt werden und zum Teil einen sehr verwahrlosten Eindruck machten. Für Alfred Laut haben aber auch diese ungepflegten Gärten eine wichtige ökologische Funktion, weil sie in der ausgeräumten Feldflur die einzigen Flächen darstellen, auf denen Tiere und bestimmte an Trockenheit angepasste Pflanzenarten noch Rückzugsmöglichkeiten finden.

Was der Agendagruppe allerdings übel aufstieß, waren einige illegale Müllablagerungen am Wegesrand und auch in den Gärten selbst. Die Mitfahrenden äußerten Unverständnis über die Gartenbesitzer, die ihre Grundstücke so „verlottern“ ließen, aber auch über die Verantwortungslosigkeit mancher Mitbürger, die mit ihren Abfällen die letzten Lebensräume von Tieren und Pflanzen zerstörten. Einig war sich die Gruppe darüber, dass die Stadt hier in der Feldgemarkung öfter mal nach dem Rechten sehen müsse.

Je weiter die Gruppe in Richtung Neuschloß kam, um so „ausgeräumter“ zeigte sich die Landschaft. Sie erblickte ausgedehnte, zum Teil mit Folien bedeckte Ackerflächen ohne natürliche Strukturen wie Bäume, Hecken oder Sträucher. „Selbst die Ackerrandstreifen links und rechts des Weges waren umgepflügt oder mit Herbiziden totgespritzt“, kritisiert die Agendagruppe. Einige Mitfahrende zeigten sich betroffen angesichts dieser „Mondlandschaft“. „Dass mit der fortschreitenden Intensivierung der Landwirtschaft die ehemals vielfältige Lampertheimer Kulturlandschaft immer mehr verdrängt wird, erlebten die Radfahrer an einem frisch gerodeten Grundstück. Wo sich wenige Tage zuvor noch ein verwilderter Garten mit alten Bäumen, Hecken und Sträuchern befand, lagen nur noch die Wurzeln der Bäume“, so die Agendagruppe. In den Augen der Naturschützer stellt dieser neue „Kahlschlag“ einen schwerwiegenden Eingriff in Natur und Landschaft und einen weiteren Biotopverlust dar. Für Andrea Hartkorn, Vorsitzende des Naturschutzbundes Lampertheim, ist die Rechtslage eindeutig. Nach dem Bundesnaturschutzgesetz sei es verboten, Bäume, Hecken und andere Gehölze in der Zeit zwischen dem 1. März und 30. September zu schneiden oder zu fällen, ausgenommen seien Pflegemaßnahmen. Hartkorn: „Der Landwirt hätte das wissen müssen.“ Bevor sich die Agenda weitere Schritte überlegt, will sie erst mal das Gespräch mit dem betreffenden Landwirt suchen.

Eigentümer des gerodeten Grundstücks ist Dr. Willi Billau. Gegenüber unserer Zeitung sagte der Landwirt, er habe das Areal ersteigert, weil in den nächsten Jahren in Lampertheim immer mehr Ackerfläche verloren geht. Seine Nachfahren wollten den Betrieb weiterführen, und dazu sei eben Fläche nötig. Das Gartengrundstück war in Billaus Augen kein Biotop, denn es sei „vermüllt und versifft“ gewesen. „Hier war eine illegale Werkstatt und an Müll alles, was vorstellbar ist, zu finden. Wir haben mehrere Tonnen zu entsorgen“, erklärt der Landwirt. Das Grün sei von Hand gerodet worden, Vogelnester habe es keine gegeben. Billau möchte hier in den nächsten Jahren Spargel, Erdbeeren und Frühkartoffeln ernten.

„Erwerb und Entsorgung hat mich Geld gekostet. Das muss ich ja auch wieder reinholen. Man will mich nun anzeigen. Ich freue mich auf den Prozess“, so Billau. Der Landwirt teilt auch nicht die Meinung der Agendagruppe, die Heide gleiche einer „Mondlandschaft“ – es gebe hier zahlreiche Gärten und Wasserlöcher für die Tierwelt.

03.05.2010 - LAMPERTHEIMER ZEITUNG

Von Oliver Lohmann

Lampertheim: Weichen für Bürgerinitiativen-Gründung sind gestellt

Beim ICE auf die Hinterfüße stellen

Lampertheim. Die Lampertheimer wollen im Spiel der Kräfte nicht untergehen. Schon gar nicht, wenn es um derart entscheidende Fragen wie die Planung einer ICE-Neubautrasse geht. Deshalb wird jetzt eine Bürgerinitiative gegründet, mit deren Hilfe vor allem die Position Lampertheims zur ICE-Trasse in Verhandlungen mit Bahnvertretern deutlicher gemacht werden soll.

Nach Informationen des Initiators, Dekan Karl Hans Geil, liegen der Bahn noch nicht einmal die Beschlüsse der Lampertheimer Stadtverordnetenversammlung zur ICE-Streckenführung vor. Geil wörtlich: "Wir müssen uns in Lampertheim auf die Hinterfüße stellen." Zudem hätten es Interessierte und Betroffene mit unterschiedlichen Realitäten zu tun, die in der öffentlichen Diskussion auch für bedrohliche Szenarien sorgte, meinte der evangelische Kirchenmann mit Bezug auf die Debatte über die sogenannte Mark-Variante nach einem Vorschlag des Mannheimer SPD-Bundestagsabgeordneten Lothar Mark.

Zusammen mit Ulrich Guldner und Dieter Goll steht Geil als Mitglied eines dreiköpfigen Sprecherteams zur Verfügung, das von der zu gründenden Bürgerinitiative zu wählen ist. Goll betont, es gehe nicht darum, eine Neubaustrecke zu verhindern. Auch stehe die Initiative in verantwortlicher Weise hinter den verkehrspolitischen Absichten des ICE-Regionalforums, den Mannheimer Hauptbahnhof nicht vom Schnellbahnnetz abzukoppeln.

Grundlage für die Positionsfindung der Bürgerinitiative sei der Beschluss der Lampertheimer Stadtverordnetenversammlung vom 20. Juni letzten Jahres. Demnach soll die neue Trasse so lange wie möglich entlang der A 67 geführt werden. Frühestens südlich der Kreuzung von L 3110 und A 67 solle die Trasse in südwestlicher Richtung abknicken. Diese Diagonale sei als bergmännischer Tunnel zu bauen. Einen gleich lautenden Beschluss hat auch der Kreistag gefasst. Teilweise hat diese Position auch Niederschlag im Zielkatalog des ICE-Regionalforums gefunden.

Schon zum 9. Februar, wenn in Frankfurt ein regionaler Projektbeirat tagt, der sich mit der Planung der ICE-Trasse, soll die Bürgerinitiative eine eigene Stellungnahme erarbeitet haben. urs/sm

BI konstitiuert sich im Januar

ICE-Trasse: Anfang 2009 wird ein Treffen einberufen

Lampertheim. In den Reihen der Lampertheimer Kommunalpolitiker war in den vergangenen Wochen immer wieder zu vernehmen gewesen, die Stadt müsse ihre Interessen im Zusammenhang mit dem Neubau der ICE-Trasse deutlicher artikulieren. Die Parlamentarier werden alsbald Gelegenheit haben, selbst dazu beizutragen.

Denn der Agenda 21-Arbeitskreis Naturschutz, Landwirtschaft und Ressourcen will Anfang Januar ein konstituierendes Treffen mit allen für die Thematik relevanten und betroffenen Interessengruppen organisieren. Der städtische Agenda-Beauftragte Michael Köthe koordiniert die Schritte, die sich seit den von Dekan Karl Hans Geil einberufenen Bürgerversammlungen abgezeichnet haben. Geil hatte einen gesellschaftlichen Beitrag der evangelischen Kirche darin gesehen, einer Bürgerinitiative den Weg zu bereiten, damit Lampertheim angesichts der widerstreitenden Interessen in der Metropolregion nicht von den Trassenplanungen der Bahn überfahren wird. Gemäß seines Auftrags ist der Agenda-Arbeitskreis vorrangig am Schutz von Mensch und Natur interessiert.

Er sieht sich freilich mit den wirtschaftlichen Interessen der Metropolregion an einer Koppelung des Mannheimer Hauptbahnhofs ans europäische Schnellbahnnetz konfrontiert. Inwieweit es der Bevölkerung des Kreises Bergstraße gelingen wird, dies bei der Trassenplanung in die Waagschale zu legen, vermag Köthe nicht zu sagen.

Sprecher gesucht

Bei dem geplanten Treffen Anfang 2009 soll auch ein Sprecher benannt werden. Auch in dieser Frage zeichnet sich für den Agenda-Beauftragten noch keine ideale Person ab. Klar sei allenfalls, dass der Sprecher über gute fachliche Kenntnisse im Zusammenhang mit der Trassenplanung verfügen müsse. urs

Südhessen Morgen
09. Dezember 2008

Wiedergutmachung an zerstörten Hecken
(s. auch Bericht "Geschredderte Natur" v. 17.08.08)

"So etwas soll nicht wieder vorkommen"

Hecken entlang der Bahn zum Umspannwerk sind fachgerecht nachgeschnitten/Agenda 21 überzeugt sich vor Ort

gg. LAMPERTHEIM Fachgerecht nachgearbeitet wurden jetzt die Hecken entlang der Bahn zum Umspannwerk in Rosengarten. Damit wurde der angerichtete Schaden am Bewuchs entlang der Bahntrasse, die vom RWE genutzt wird, so weit als möglich begrenzt.

Davon überzeugten sich Mitglieder der Agenda 21 gemeinsam mit Gunnar Götz vom RWE und Nils Bechtel von der Firma Falkenhahn, die mit den Arbeiten entlang den Schienen beauftragt war. "Wir hoffen, dass jetzt alles zur Zufriedenheit geregelt ist", meinte er, "sollten sie noch Wünsche haben, werden wir uns darum kümmern." Agenda-Sprecher Alfred Laut sagte, es sei positiv zu sehen, dass man hier versucht hat, den Fehler wieder gutzumachen. Es wurde fachgerecht nachgeschnitten und die zersplitterten Gehölzstümpfe weitestgehend beseitigt. Auch wenn nicht alle angerichteten Schäden zu beheben sind, sehen die Mitglieder der Agenda es positiv, dass ein Teil des Gehölzes wieder ausschlägt.

Manche Schäden werden von der Natur ausgebessert. Für Götz vom RWE ist es unverständlich, wie es zu der massiven Zerstörung der Gehölze kommen konnte. "Wir sind bei allen Rückschnittmaßnahmen stets bemüht, den Umweltschutz zu beachten. Umweltschutz und Arbeitssicherheit stehen bei uns ganz oben an", betonte er. "Was hier geschehen ist, ist nicht in unserem Sinne." Die Auftragsvergabe geschah von Dortmund aus, berichtete Götz. "So etwas soll nicht wieder vorkommen. Wir wollen den Naturschutz unterstützen. Es ist schlimm, was hier passiert ist. Das ist etwas, was wir unter allen Umständen vermeiden wollen. An Freileitungen geschieht der Rückschnitt auch mit Biotopmanagement", sagte Götz.

Kleinere Mängel, die Laut vorbrachte, werden von der ausführenden Firma, die ebenfalls nach besten Kräften um Schadensbegrenzung bemüht ist, noch beseitigt. Klar ist, dass an der Trasse ab und an Rückschnittmaßnahmen durchgeführt werden müssen. Allseitige Übereinstimmung herrschte bei der Begehung der Bahnlinie daher darüber, dass zukünftig schon im Vorfeld von Rückschnittmaßnahmen Kontakt zwischen RWE und den Mitgliedern der Agenda 21 aufgenommen werden soll, um Probleme zu vermeiden. Außerdem sagte Götz eine Spende für neue Heckenanpflanzungen zu.

17.09.2008/Lampertheimer Zeitung


Geschredderte Natur

Naturschutz: Trauriger Anblick an Alter Wormser Bahnlinie

Ärger über zerstörte Pflanzen


Lampertheim. Zersplitterte Äste, zerfräste Hecken und Grünabfälle - "an der Alten Wormser Bahnlinie in Lampertheim sieht es aus wie nach einem Bombeneinschlag", empört sich Alfred Laut, Sprecher des Agenda-21-Arbeitskreises Naturschutz. Tatsächlich bieten die Pflanzen - oder vielmehr das, was von ihnen noch übrig ist - einen trostlosen Anblick.

Eigentlich sollten diese an der privaten Bahnlinie des Unternehmens RWE zum ungehinderten Transport eines großen Transformators nur zurückgeschnitten werden. "Anstatt die Hecken ordentlich frei zu schneiden, haben die Arbeiter sie radikal geschreddert", ärgert sich Andrea Hartkorn, Erste Vorsitzende des Naturschutzbundes Lampertheim. Außerdem seien die Holzabfälle auf den Schienen und Feldwegen nicht entsorgt worden, obwohl die Arbeiten schon seit der ersten Juliwoche beendet sind. "An den spitzen Holzstücken können sich spielende Kinder wie auch Wildtiere schwer verletzten", sagt Alfred Laut. Betroffen seien auch die Vögel, die in den Sträuchern nisten. "Bis September ist normalerweise noch Nachbrutzeit."

Auch eine dreißig Jahre alte Hainbuche wurde zerstört

Auch die RWE ist mit dem Ergebnis des Baum- und Heckenbeschnitts alles andere als zufrieden. "Das ist nicht in unserem Sinne. Normalerweise legen wir großen Wert auf die Zusammenarbeit mit Umweltschutzvereinen", sagt Gunnar Götz, Leiter der Betriebsabteilung Hoheneck von RWE. Deswegen wird laut Götz die beauftragte Fremdfirma, die Holzabfälle spätestens binnen zehn Tagen beseitigen und die Bäume und Sträucher nachschneiden.

"Es muss schnell etwas unternommen werden", betont Laut. Sonst seien die Bäume, die er teilweise selbst vor 30 Jahren gepflanzt hat, nicht mehr zu retten. to

Südhessen Morgen
17. Juli 2008

Ist die Verlandung des "Welschen Lochs" erwünscht?


Zunehmender Weidenwuchs trägt zur Verbuschung und Verlandung des größten Flachwassersees Südhessen bei
siehe auch Bericht zum Welschen Loch


Statement des Agenda-21-Arbeitskreises Naturschutz zur Verlandungsproblematik am Flachwassersee Welsches Loch


Wir sind enttäuscht, was die Auslegung des Untersuchungsergebnisses zum Welschen Loch betrifft.
 
Im vorgestellten Berichts-Entwurf sind, was diesen Flachwassersee betrifft, einige Widersprüchlichkeiten enthalten.
Auf der einen Seite will man das ganz sich selbst überlassen, sprich die Verlandung in Kauf nehmen, auf der anderen Seite soll ein Monitoring sicherstellen, dass der Lebensraumtyp erhalten bleibt bzw. die Verlandung und Verbuschung verhindert wird.

In der Zwischenzeit verlandet und verbuscht das ganze, was es jetzt ja schon tut, man braucht sich das ganze nur mal vom Soldatenbrückchen aus anzuschauen und ins Welsche Loch blicken.

Dann noch was: Herr Ness meinte, wenn es dann doch verlandet, könnte das RP ja beschließen - sozusagen experimentell - durch Ausbaggern, mal wieder ein Areal als offene Wasserfläche herzustellen.

Das ist kompletter Unsinn: Denn das Naturschutzrecht verbietet es, eine Weichholzaue, die ja dann entstanden ist, zu vernichten. Eine Weichholzaue ist genauso schützenswert wie alle anderen Biotope im Naturschutzgebiet auch.

Lässt man eine Weichholzaue entstehen - solche gibt es im Biedensand schon - wird die offene Wasserfläche aber für alle Zeit verschwunden sein. Und solche wertvollen, offenen Wasserflächen, hat ja auch Herr Ness bestätigt, bzw. steht auch so im Bericht, verschwinden immer mehr in unserer Landschaft, da sie sich ja nicht mehr neu bilden können (durch Laufverlagerungen des Rheins infolge der Wasserstandsdynamik entstanden diese Gewässertypen immer wieder neu, seit Tulla-Rheinbegradigung aber nicht mehr - sie sind vom Rhein abgeschnitten worden und verlanden zusehends - alle Altrheinauen haben dieses Problem).

Es ist natürlich ein Kostenfaktor, und der ist - und das vermuten wir mal - dabei ausschlaggebend.

Übrigens ist das Forstamt auch unserer Meinung, sie sind aber nur ausführende Behörde und haben daher auch nur geringen Einfluss auf das Regierungspräsidium. Das RP genehmigte zudem nicht die Sedimentsuntersuchungen am W.L., was Struktur bzw. Mächtigkeit der Sedimentsschichten betrifft. Dann aber Aussagen darüber zu machen und Prognosen zu treffen, ist für uns Kaffeesatzleserei.

Andrea Hartkorn, Alfred Laut
Sprecher/in Agenda-21-Arbeitskreis Naturschutz, Landwirtschaft, Ressourcen

Statement wurde über die lokale Presse veröffentlicht >LZ v. 22.05.08


"Kosten für Tunnel gehen ins Uferlose"

Agenda-21-Arbeitskreis schreibt offenen Brief an Bahn-Chef
und den Verkehrsminister

Für die Bündelung der Trassen -
gegen weitere Durchschneidung des Waldes

Vom 23.04.2008

LAMPERTHEIM Die geplante ICE-Neubaustrecke beunruhigt seit Jahren die Lampertheimer Gemüter. Der Agenda-21-Arbeitskreis Naturschutz, Landwirtschaft, Ressourcen macht sich Sorgen wegen des labilen Ökosystems Riedwald und schickt daher Briefe an Bahn, Behörden und Politiker.  

Von Oliver Lohmann

Der offene Brief des Agenda-21-Arbeitskreises war schon länger geplant, jetzt geht er zu Händen von Bahn-Chef Hartmut Mehdorn nach Berlin. Aber auch Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee erhält Post aus Lampertheim, genauso wie der hessische Umweltminister Wilhelm Dietzel. Weiterhin erhalten das Regierungspräsidium Darmstadt, Landrat Matthias Wilkes, die Untere Naturschutzbehörde und der Magistrat der Stadt Lampertheim den Brief, in dem die Umweltschützer eine weitere Zerschneidung der Riedwälder ablehnen. Gefordert wird eine Bündelung der Verkehrswege - sprich, der ICE soll an den Autobahnen entlangfahren. "Energischer Widerstand" wird angekündigt, wenn die Neubaustrecke doch durch den Wald geplant wird.

Angeregt wurde die ICE-Strecke durch den Wald vom Mannheimer SPD-Bundestagsabgeordneten Lothar Mark. Vor wenigen Tagen stellte er allerdings klar, dass er nie eine oberirdische Streckenführung gefordert habe. Nötig sei vielmehr eine Tunnel- oder Überdeckelungslösung, Letzteres möglicherweise im Viernheimer Wald, in dem es Sanddünen gibt. Die Diagonalstrecke sei um 2,5 Kilometer kürzer als die an den Autobahnen entlang und benötige daher auch weniger Fläche. Auch Trinkwasserschutzgebiete würden dadurch nicht berührt. Sprich: Die Diagonalvariante sei ökologischer.

Das sieht Alfred Laut, einer der beiden Sprecher des Agenda-21-Arbeitskreises nicht so. Mit der Diagonalvariante werde ein geschlossenes Ökosystem, ein Vogelschutzgebiet zerstört. Auch bei einer Decke-lungslösung werde eine 100 Meter breite Schneise in den Wald geschlagen - ob auf einem ICE-Deckel Bäume wachsen, sei fraglich. Wasserschutzgebiet sei nicht betroffen, aber der Riedwald liefere Wasser bis über Frankfurt hinaus. Und das Grundwasser stehe zum Teil nur 2,20 Meter unter der Erde. Die Kosten für einen Tunnel gingen ins Uferlose, urteilt Laut im Gespräch mit der LAMPERTHEIMER ZEITUNG.

"Mark handelt nach dem Feuerwehrprinzip. Er will hier durch den Wald einschließlich Bruch gehen, um den Käfertaler Wald nicht antasten zu müssen. Es ist eine Unverschämtheit, dass ein Externer über unsere Gemarkung verfügt. Wir melden massivsten Widerstand an", sagt Alfred Laut. Der Naturschützer wünscht sich, dass Bahn-Boss Mehdorn wegen des Streits um die richtige ICE-Trasse auf einen Neubau verzichtet. Wenn ein weiteres Gleis für den Schnellzug nötig sei, könne man das doch neben die bestehenden Riedbahn-Gleise bauen. Oder aber einen Bahnhof in Mannheim-Friedrichsfeld bauen, damit der ICE dort hält.

Biedensand-Bäder

Kanada-Gänse sollen mit Angst- und Warngeschrei beschallt und vom Badesee vertrieben werden

Die Suche nach einer unblutigen Lösung

Von unserem Redaktionsmitglied Claudia Kölbl

Südhessen Morgen
19. März 2008

Ein striktes Fütterungsverbot soll dabei helfen, die Kanada-Gänse vom Badesee der Biedensandbäder zu vertreiben.
Bild: Nix

Lampertheim. Ulrich Vonderheid, Geschäftsführer der Biedensandbäder, ist zuversichtlich: In diesem Jahr soll es gelingen, die Kanada-Gänse vom Badesee zu vertreiben. Es ist geplant, das Federvieh per Lautsprecher mit Warn- und Angstgeschrei ihrer Artgenossen zu beschallen und sie so vom Badesee fernzuhalten. Dies teilte Vonderheid gestern gemeinsam mit Vertretern aus dem Naturschutz und der Unteren Jadgbehörde mit. "Wir wollen nach wie vor eine unblutige Lösung", stellte der Bäder-Chef dabei klar.

Rückblick: Im vergangenen Sommer belagerten bis zu 100 Kanada-Gänse den Badesee in der Freizeitanlage und störten den Badebetrieb. Auch in diesem Jahr gehen die Experten davon aus, dass die Gänse den Badesee wieder anfliegen. Die Vögel hinterlassen während ihres Aufenthalts in den Biedensand-Bädern allerdings Kot im Wasser und am Seeufer. Für Kinder kann der Badespaß hierdurch leicht zu einem Gesundheitsrisiko werden. Und auch erwachsene Badegäste fühlen sich durch die zahlreichen Kanada-Gänse gestört.

Coli-Bakterien im See

"Wir haben im vergangenen Jahr bereits Coli-Bakterien im See feststellen können", erklärte Vonderheid. Die Verschmutzung sei nicht dramatisch, aber messbar gewesen. Alle Versuche, die Tiere vom See zu vertreiben, scheiterten.

Eine Woche lang waren Naturschützer vor Badebeginn mit einem Jagdhund am See, der die Vögel verscheuchen sollte. Von diesen fehlte aber um diese Uhrzeit noch jede Spur. "Die Kanada-Gans ist eben kein Frühaufsteher", erklärte der Geschäftsführer. Diese Vegrämungsaktion blieb somit erfolglos. Trotz Schonzeit erteilte die Untere Jagdbehörde im vergangenen Herbst sogar die Erlaubnis, drei Gänse aus jeweils einem Familienverband zu erlegen, um das Federvieh vom Badesee zu vertreiben. Gar nicht so einfach, denn die Auflage der Jagdbehörde besagt: Die Gänse dürfen nur geschossen werden, wenn sie im Schwarm auftauchen. Im September aber kam dies kaum mehr vor.

Jetzt hofft der Bäder-Chef auf eine CD mit Angst- und Warnlauten von Kanada-Gänsen. Alfred Laut, Vertreter der Agenda 21-Gruppe, organisierte diese Tonaufnahme über private Kontakte in Kanada. Gerade auf Flughäfen sei es dort schwierig, die Tiere vom Flugfeld fernzuhalten, erläuterte Laut. Hier habe man mit der Beschallung der Tiere gute Erfolge erzielt. Rund um den See wird daher in diesem Jahr eine Beschallungsanlage aufgestellt. Über Lautsprecher sollen die Kanada-Gänse mit den Vogelgeräuschen verschreckt werden. Vonderheid hofft hierbei auf das Verständnis der Badegäste, obgleich die Anlage auch nicht ständig in Betrieb sein wird. Laut schlägt daher vor, die Beschallung über Lautsprecher anzukündigen.

Dennoch: Die Beschallung alleine wird nicht ausreichen, um die Tiere vom See fernzuhalten. Da sind sich Naturschützer und Vertreter der Unteren Jagdbehörde einig. "Daher gilt in diesem Jahr zudem ein striktes Fütterungsverbot", betonte Vonderheid. Gästen, die gegen diese Auflage verstoßen, droht ein Platzverweis und sogar ein Hausverbot. Zusätzliche Schilder sollen die Besucher hierüber informieren. "Die Vögel suchen die Nähe der Menschen", erklärt Kreisvogelschutzbeauftragter Stephan Schäfer. Daher sei es wichtig, dass die Tiere nicht von den Besuchern gefüttert würden.

"Eine weitere Maßnahme, die wir im Köcher haben, ist die pyrotechnische Abwehr", berichtete Vonderheid. Bei Bedarf sollen die Vögel durch einen Schreckschuss vertrieben werden. Hierzu ist die Erlaubnis der Unteren Jagbehörde nötig, die Jagdpächter Willi Laut bereits beantragt hat. "Für die Besucher muss der Schreckschuss absolut ungefährlich sein", sagte Alexandra Kleiné von der Unteren Jagdbehörde. Der Schreckschuss dürfe daher nicht während des Badebetriebs abgegeben werden. Auch in diesem Jahr will man zudem versuchen, die Tiere mit einem Jagdhund zu verscheuchen, um den Badesee für die Kanada-Gans unattraktiv zu gestalten.

"Und wenn alles nichts hilft, müssen wir die Natur eben so akzeptieren, wie sie ist", fasste es Vonderheid schließlich zusammen. Eine Möglichkeit wäre es dann noch, Flatterbänder in einem Teil des Badesees aufzuspannen, um die Kanada-Gans am Anfliegen zu hindern. "Das sieht leider nicht so schön aus, könnte aber durchaus effektvoll sein."

"Über Umweltschutz nicht nur reden"

Schüler des Lessing-Gymnasiums schaffen bei Rosengarten neue Nistmöglichkeiten für Vögel


Südhessen Morgen
26. Oktober 2007/Jürgen Klotz

Hacken, schaufeln und pflanzen: Die Jungen und Mädchen der Klasse 6f des Lampertheimer Lessing-Gymnasiums waren bei der Baumpflanzaktion des Agenda-21-Arbeitskreises mit dabei. Bild: jkl

Lampertheim/Rosengarten.
Ein Herz für den Umweltschutz bewiesen gestern zahlreiche Kinder aus Lampertheim. Der Arbeitskreis Naturschutz, Landwirtschaft und Ressourcen der Umweltschutzinitiative Agenda 21 führte gestern zusammen mit Schülern des hiesigen Lessing-Gymnasiums eine Baumpflanzaktion durch. Diese fand statt auf dem so genannten Bürgerfeld, einer zwischen Lampertheim und Rosengarten gelegenen Feldregion entlang der alten Wormser Bahnlinie.

Angeführt von ihrer Lehrerin Gabriele Waldkircher, trat dort die Klasse 6f an, um 50 Bäumchen zu pflanzen. Es handelte sich hierbei um den Weißdorn und die so genannte Schlehe, im Volksmund auch Schwarzdorn genannt. Bedingt durch ihr dichtes Dorngestrüpp, bieten diese Pflanzen Vögeln optimale Nistmöglichkeiten. Zweck dieser Aktion war es, in diesem von der Agrarwirtschaft intensiv genutzten Gebiet ein Rückzugsgebiet für die gefiederten Freunde zu schaffen.

"Wir wollen nicht nur über Umweltschutz reden, sondern ihn auch leisten", sagt Alfred Laut, Vertreter der Jägerschaft innerhalb der Agenda 21 und deren Sprecher. Gerade diese Region sei ein von Vögeln extrem frequentiertes Gebiet. Die Ausbreitung der Menschen, die Versiegelung der Böden und die rigorose Nutzung der Agrarflächen drängten diese immer weiter zurück und bedeuteten eine Vernichtung wichtiger ökologischer Nischen für die Tierwelt. Darüber hinaus, so Laut, sei ein angemessener Baumbestand der beste Schutz vor Erosion.

Die Pflanzaktion fand bereits zum vierten Mal statt. Geknüpft wurde der Kontakt zwischen Schule und den Umweltschützern von Gabriele Waldkircher. Diese ist Mitglied bei Agenda 21. Überhaupt betonte Laut, dass diese Vereinigung nicht nur ein Sammelbecken von Aktivisten anderer Naturschutzorganisationen wie dem BUND, der NABU oder auch der Angler- und der Jägerschaft sei. "Bei uns ist jeder willkommen, dem die Natur am Herzen liegt", sagt er. Im Fokus der überparteilichen Umweltschützer sind Aktionen, die auf Prävention und Schadensbegrenzung aus sind. Der Eingriff des Menschen in die Natur, so der Kanon, sei so groß, dass man dieser helfen müsse.

Seit 2000 existiert die Agenda 21 in Lampertheim. "Wir legen bei den Kommunen schon mal den Finger in offene Wunden", so Laut, der aber anfügt, dass man sich der Sache zuliebe letzten Endes immer um einen Schulterschluss mit den offiziellen Vertretern bemühe. Bei dieser Sache geht es natürlich nicht nur um den unmittelbaren Umweltschutz. Gerade bei der Einbeziehung von Kindern und Jugendlichen hofft man, bei diesen frühzeitig ein Bewusstsein für Belange von Natur und Naturschutz zu schaffen.

Dass man bei den Schülerinnen und Schülern der 6f damit auf einem guten Weg ist, war leicht zu erkennen. Mit großem Eifer wurde gehackt, geschaufelt und gepflanzt. Und es wird nicht mehr lange dauern, dann können die Vögel der Region die neuen Nistmöglichkeiten in Beschlag nehmen und so zum Erhalt ihrer Art in unserer Region beitragen.

Was bedeutet Agenda 21?

Erde aus dem Weltall aufgenommen


Die Agenda 21 ist ein entwicklungs- und umweltpolitisches Aktionsprogramm für das 21. Jahrhundert, ein Leitpapier zur nachhaltigen Entwicklung, beschlossen von 179 Staaten auf der „Konferenz für Umwelt und Entwicklung der Vereinten Nationen“ (UNCED) in Rio de Janeiro (1992).
Programm nachlesbar >Agenda 21 UNO-Server

An dieser Konferenz nahmen neben Regierungsvertretern auch viele nichtstaatliche Organisationen teil. Nachhaltige Entwicklung – und damit die Agenda 21 – ist vielerorts zur Leitlinie öffentlichen Handelns geworden.

Sind nur Naturschützer gefragt?

Die Agenda 21 widmet sich zwar auch dem Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen, wie etwa dem Schutz der Erdatmosphäre, der Meere und der biologischen Vielfalt, jedoch ebenso der Bekämpfung von Armut und Bevölkerungsexplosion, dem Gesundheitsschutz und der Siedlungsentwicklung.

Es geht darum, die Verbesserung der sozialen und ökonomischen Lebensbedingungen - vor allem in den armen und ärmsten Ländern der Welt - mit der langfristigen Sicherung der natürlichen Lebensgrundlagen in Einklang zu bringen.

Ökonomie, Ökologie und soziale Gerechtigkeit stehen also gleichberechtigt nebeneinander.

Was wird lokal gemacht?


Gemäß dem Motto "Global denken - lokal handeln" werden die Kommunen aufgefordert, ihre eigene Agenda 21, also ein eigenes Aktionsprogramm, zu erarbeiten und darin konkrete, auf ihre Situation passende Schritte zur Nachhaltigkeit zu entwickeln - und zwar unter Beteiligung der BürgerInnen und aller gesellschaftlichen Gruppen.

Die Agenda 21 ist eine unabhängige, nicht als Verein organisierte, sondern freie bürgerschaftliche Bewegung, die auf dem Engagement aller Beteiligten beruht. Sie betätigt sich als Ideen- und Impulsgeber u. a. für die Bürgerschaft, den Stadtrat, die Stadtverwaltung und den Bürgermeister und arbeitet mit allen interessierten Parteien offen zusammen.

Die Agenda 21 in Lampertheim entstand im Jahr 2000 und knüpft an die Bewegung für Nachhaltiges Wirtschaften an, die auf dem Gipfeltreffen von Rio de Janeiro 1992 ins Leben gerufen wurde.

Die Agenda 21 ist in Lampertheim in zwei Arbeitskreise organisiert, die von einem bzw. zwei Sprecher (Arbeitskreisleiter) in großer Unabhängigkeit geleitet werden. Jeder Arbeitskreis betreut eigene Projekte.

Unterschiedliche lokale Bedingungen verlangen unterschiedliche Konzepte.
Deshalb betont die Agenda 21 in Kapitel 28 ("Initiativen der Kommunen zur Unterstützung der Agenda 21") die Verantwortung der Kommunen für die konkrete Umsetzung ihrer Ziele.

In Lampertheim existieren zwei Agenda 21-Arbeitskreise.

Der AK Naturschutz, Landwirtschaft und Ressourcen beschäftigt sich mit den Belangen des Natur- und Landschaftsschutzes in Lampertheim. Darin sind auch einige Mitglieder der Lampertheimer NABU-Ortsgruppe vertreten.

Der AK Gesellschaft und soziale Gruppen setzt seinen Schwerpunkt auf Förderung der Familie/Jugend in Lampertheim.

Der dritte AK Stadtentwicklung löste sich auf und brachte seine Anliegen und Themen in das Projekt "Stadtentwicklungskonzept 2015" ein.


nach oben 


Agenda 21-Arbeitskreis
Naturschutz, Landwirtschaft und Ressourcen

in Lampertheim

Wir stellen uns vor

Unser Arbeitskreis hat seinen Schwerpunkt im Einsatz für die Belange des Natur- und Landschaftsschutzes in Lampertheim.

Unsere Gruppe besteht aus Vertretern von Vereinen, Naturschutzverbänden (NABU, BUND), Forstamt, Hegegemeinschaft Südhess. Ried, Landwirtschaft, LehrerInnen, interessierten Bürger/innen und dem Agenda-Beauftragten der Stadt Lampertheim.

Bei den verschiedenen Anliegen und Projekten arbeiten wir mit Politik, Stadtverwaltung und Behörden zusammen. Dabei mischen wir uns auch in unangenehme Dinge und fordern dort unsere Stimme für den Natur- und Landschaftsschutz.

Zweimal im Jahr findet eine Lenkungsgruppensitzung statt, bei der die Vertreter der einzelnen Fraktionen, Bürgermeister, Agenda-Beauftragter und die Agenda-21-Arbeitskreissprecher/innen sich austauschen. Projekte und Vorhaben der Arbeitskreise werden darin vorgestellt.
Durch dieses Vorgehen sind auch Projekte realisierbar, die ohne die Zustimmung und Finanzierung des Gemeinderats nicht durchgeführt werden können. Es gibt aber auch Projekte in eigener Regie der Agenda 21, bei denen keine öffentliche Finanzierung erforderlich ist.


Die Sprecher/in des Arbeitskreises sind Andrea Hartkorn (NABU Lampertheim) und Volker Harres (Forstamt Lampertheim). <Kontakt>


Unser Leitbild lautet:


"Nachhaltiger Schutz und Verbesserung der Lebensräume für Menschen, Tiere und Pflanzen sowie Schutz der Ressourcen Luft, Wasser, Boden"


nach oben

 

> Archiv - Pflanzaktionen mit Schulklassen...


Pflanzaktion in der Bonaue



 

 





 

 

 


Wir über uns
Aktuelles
Termine/
Veranstaltungen

Projekte
Lokale Agenda 21
Naturschutzjugend
Tipps und Infos
Galerie
Links
Kontakt
News
Impressum